Bunt ist meine Lieblingsfarbe.

von Regine Böttcher, Langenhorn

Vor drei Monaten habe ich in der "Langenhorner Rundschau" über das „Auftanken in der Natur“ geschrieben und über die wohltuende Wirkung von Farben. Heute ging ich auf dem Nachhause-Weg über den Langenhorner Markt – es ist Sonntag und so waren wenig Menschen unterwegs. Ich hielt auf den zum Platz führenden Treppen inne und ließ die Neugestaltung auf mich wirken. Grau sah ich: die Steine, die Treppen, die Rampe. Er wirkte trotz Sonnenschein und blauem Himmel auf mich trist.

Auch die Unterführung: grau – wenn auch durch die installierten Lampen heller als früher. Nun sollen dort noch historische Fotos aufgehängt werden, las ich, Farbgebung: schwarz-weiß. Also wieder trist und dunkel.

Ich hatte mich auf die Umgestaltung des Langenhorner Marktes gefreut, gehörte zu denen, die optimistisch waren und voller Zuversicht, dass die Stadtplaner und Politiker für die stolze Summe von 8,4 Millionen Euro ein überzeugendes Konzept zustande bekommen. Inzwischen habe ich meine Meinung geändert. Und das liegt an dem Beton, der grau und schwer daher kommt. Wenn ich meinen Blick vom grauen Platz auf die Umgebung richte, sehe ich ebenfalls vor allem die Farbe Grau. Das Parkhaus, das Center, die Straßen, die Bürgersteige … grau.  Beton kann durchaus gute Architektur ermöglichen, wenn die Formen stimmen und besondere Akzente, z.B. mit Farben und anderen Materialien gesetzt werden. Doch das ist hier nicht geschehen.


Farben entfalten eine Wirkung, ganz subtil. Im Herbst ist dies angesichts der Laubverfärbung oft ganz sinnlich zu erleben.  Sogar Grau kann elegant und schlicht wirken. Beton jedoch wird von vielen Menschen als bedrückend wahrgenommen. Und von Beton haben wir in am Langenhorner Markt reichlich.

Warum ist das so, frage ich mich? Als auf einem der Quartiersforen erneut große Kritik am tristen Beton geübt wurde, sagte die Architektin des Bezirksamtes  Nord, es handele sich bei diesem Baustoff um ein modernes, daher beliebtes Material. Ich glaubte zunächst, mich verhört zu haben. Die Städte werden von Menschen gestaltet und wirken auf ihre Bewohner zurück: Architekten und Stadtplaner tragen daher eine hohe Verantwortung! Die Wirkung von Beton ist spätestens seit den 70er Jahren mehr als umstritten, wie kann man da von einem modernen Material mit positiven Wirkungen sprechen und mit dieser Formulierung Kritik zurückweisen?

Alexander Mitscherlich, Arzt, Psychoanalytiker und Schriftsteller, hat bereits 1965 ein Buch geschrieben mit dem Titel „Die Unwirtlichkeit der Städte“. Daran musste ich immer wieder denken, wenn ich die Bauarbeiten beobachtete. Mitscherlich beschrieb die in der Nachkriegszeit erbaute eintönige und inhumane Stadtgestaltung, die das Gefühl von Entfremdung und Isolation wachsen ließ. Viel hat sich seither gewandelt – Städte sind attraktiver geworden, bieten eine kulturelle Vielfalt. Doch wenn ich auf den Langenhorner Markt und seine Umgebung blicke, befürchte ich, dass Alexander Mitscherlich wenige Änderungen zu seiner Analyse der 70er Jahre erkennen würde.


Der Titel dieser Kolumne „Bunt ist meine Lieblingsfarbe!“ stammt von Walter Gropius, Architekt und Gründer des  Bauhaus-Stils. Er lebte von 1883 bis 1969.  Ich mag diesen Satz sehr, denn Farbe wirkt auf das menschliche Gemüt. Johann Wolfgang von Goethe war einer der ersten, der sich mit Farbenlehre befasste. Ganz unabhängig von Theorien kann ich es an mir bemerken: In meinem Badezimmer befinden sich viele rote Accessoires  - morgens spüre ich die belebende Wirkung. Mein Schlafzimmer besteht aus Möbeln mit warmem Buchenholz und blauen Vorhängen, Bilderrahmen, Kerzen – diese Kombination wirkt beruhigend und harmonisierend. In meinem Wohnzimmer dominieren gedeckte Holz-, Orange- und Rottöne, die warm und einladend wirken.

Wenn ich bunte Farben erblicke, kann ich spüren, wie ich mich fröhlicher und beschwingter fühle, vor allem in einer Stadt wie Hamburg, in der es häufig regnet und der Himmel entsprechend oft verhangen ist.  Auf den Fotos können Sie Beispiele sehen für das, was ich als Alternative meine: bunte Fassaden aus Mexiko, bemalte Stühle, farbige Sets, farbenfrohe Stoffe und Garne. Schade, dass am Langenhorner Markt das bunte, fröhliche Treiben nur an Markttagen zu sehen ist, wenn Obst, Gemüse und Blumen leuchten. An Dienstagen und Sonnabenden ist der Markt voller Menschen – ich glaube, sie spüren neben der guten Qualität der angebotenen Waren auch die wohltuende Wirkung all der Farben.

Einen Lichtblick gibt es: Das große Hochbeet Richtung Eberhofweg: Bunte Blumen verschiedener Art blühen dort, umgeben von immergrünem Bux.  Sehr gepflegt und stets leuchtend. Dieses Beet ist jedoch keine Initiative des Bezirksamtes, sondern eines Langenhorner Bürgers: Er hat die Pflanzen auf eigene Kosten besorgt, eingebuddelt und kümmert sich um die Pflege. Seine Initiative ist somit ein guter Beleg dafür, dass jeder und jede von uns etwas verändern kann. Über die grauen Betonwelten kann dieses Beet jedoch leider nicht hinwegtäuschen. Doch viele Großstädte wurden inzwischen durch die heimliche Aussaat von Pflanzen auf brachliegenden Flächen verschönert, „Guerilla Gardening“ nennt sich diese aus England stammende Initiative zum zivilen Ungehorsam im öffentlichen Raum.  

Zum Schluss noch ein Zitat von Walter Gropius:
„Die Krankheit unserer heutigen Städte und Siedlungen ist das traurige Resultat unseres Versagens, menschliche Grundbedürfnisse über wirtschaftliche und industrielle Forderungen zu stellen.“  Der Langenhorner Markt ist aus meiner Sicht ein solch trauriger Beleg dafür.


Regine Böttcher
Coach, Trainerin, Entspannungspädagogin.
Sie führt die „Praxis für Stressbewältigung und
Resilienz“ in HH-Langenhorn.


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