Corona Weihnachten in Langenhorner Kirchen - oder auf dem Marktplatz?

In Zeiten wie diesen werden Videokonferenzen den ‚echten‘ Zusammenkünften bevorzugt. Und statt eines direkten Interviews gibt es das Interview per Mail.  So machte es auch  Thomas Kegat für die "Langenhorner Rundschau": Er schickte der Interview-Partnerin Bettina Rutz seine Fragen. Und sie hat geantwortet. Hier folgt - ungekürzt und nicht redigiert - das Interview.

Langenhorner Rundschau: Wir würden Sie als Person in einigen kurzen Sätzen gern vorstellen (Name, kurzer Werdegang (Heimatort, „Laufbahn“), ggf. Familienstand und Kinder, wie lange Sie schon in Broder Hinrick sind (gibt es noch eine weitere Pastorenstelle bei Ihnen?) und vielleicht ein oder zwei Hobbies und ein „Lieblingsplatz“ in Langenhorn.

Ich heiße Bettina Rutz, bin gebürtige Hamburgerin und in Wandsbek-Marienthal aufgewachsen. Nach dem Studium der Theologie habe ich ein für mich horizonterweiterndes Auslandsjahr in der Türkei verbracht, deswegen zieht es mich oft in türkische Geschäfte oder in die Nähe von türkischsprechenden Menschen zum Beispiel in der U-Bahn. Leider lassen meine Sprachkenntnisse mittlerweile etwas zu wünschen übrig.
Meine ersten Jahre als Pastorin habe ich auf dem Land verlebt, in dem Dorf Erfde im Herzen Schleswig-Holsteins. Nun bin ich seit fast 10 Jahren wieder zurück in meiner Heimatstadt und seitdem auch Pastorin von Broder Hinrick. Ich arbeite auf einer sogenannten „Einzelpfarrstelle“ und ich freue mich an und über die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen aus den Nachbargemeinden, wir treffen uns regelmäßig zum Austausch und für Absprachen.

Seit 16 Jahren begleiten mich zwei kleine Hunde, die mich auf Trab halten. Ich lese sehr gern, deswegen ist einer meiner Lieblingsorte auch unsere Bücherstube in Broder Hinrick, wenn ich mal in Gedanken kreise oder wenn ich mich fürchterlich geärgert habe, gehe ich zu jeder Tag - oder Nachtzeit einfach in die Bücherstube und blättere mich durch die Regale.

Langenhorner Rundschau: Liebe Frau Rutz, die Corona-Pandemie hat die Welt und unseren Stadtteil weiterhin im Griff. Viele Menschen meistern ihren Alltag trotz aller Einschränkungen sehr gut und nicht bei jedem sitzt der Gedanke an das Virus immer im Nacken. Aber es ist alles in allem doch eine globale Krise, und in Krisenzeiten wird der Ruf nach Kirche ja traditionell lauter.
Wie empfinden Sie die aktuelle Situation für sich und Ihre Gemeinde?

Schön, wenn der Ruf nach Kirche lauter wird. Wir sind da! Und in Langenhorn mit vier evangelischen Kirchengemeinden und der katholischen Pfarrei immer noch gut erreichbar für jeden. Ich habe die Kirchen in unserer Stadt als sehr präsent erlebt auch in der Zeit des strengen Lockdowns, als die Kirchräume wochenlang geschlossen waren. Da hat sich viel ins Internet verlegt, auch wir haben Podcast-Andachten gefeiert, die sehr rege nachgefragt wurden. Da haben wir auch viel und schnell lernen müssen. Ich bin jetzt stolze Besitzerin einer Lizenz zum Zoomen. Mit Öffnung der Kirchen um Pfingsten herum haben wir dann vieles nach draußen verlegt: Gottesdienste, Konfiarbeit, Seniorenkaffee, Gesprächsrunden. Jetzt im Lockdown light ist es wieder etwas schwieriger. Seelsorgegespräche, auch in Vorbereitung auf Trauerfeiern, finden dann auch mal bei einem Spaziergang durchs Raakmoor statt. Auch wenn sich vieles findet, ist es doch eine sehr bedrückende Zeit. Meine Generation ist da wenig krisenerprobt. Ich versuche meiner eigenen Unruhe, aber auch der der anderen mit Barmherzigkeit und Langmut zu begegnen und jedes Hoffnungsfenster weit aufzumachen. Mein Glaube ist da krisenerprobter.

Langenhorner Rundschau:  Die allgemeine Vernunft und Eigenverantwortung einerseits ebenso wie die staatlichen Hygieneregeln, Einschränkungen und Verbote andererseits schränken auch das Gemeindeleben ein. Was vermissen Sie in diesem Jahr am meisten?

Viel Liebgewonnenes und Kraftgebendes kann nicht stattfinden, ich denke da in die Kreise und Gemeindegruppen, vor allem auch an unsere Kantorei, den Gospelchor und unsere Jugendband. Das gemeinsame Singen im Gottesdienst, das vermissen viele schon sehr, ich auch. Und doch bin ich erstaunt und dankbar dafür, dass wir kreativ und fantasievoll bis hierher Wege gefunden haben und dass uns die Ideen noch nicht ausgegangen sind. Unser Kirchengemeinderat ist ziemlich auf zack und hat weitblickend wichtige Entscheidungen bereits im Frühjahr getroffen. So stand früh fest, dass unser Basar in diesem Jahr leider nicht stattfinden kann. Auch die Verlegung der Konfirmationen vom Frühjahr in den Herbst, im Nachhinein das letzte mögliche Zeitfenster, eine mutige Entscheidung. Diese frühzeitigen Entscheidungen haben uns viel Arbeit erspart und unsere Nerven geschont.

Langenhorner Rundschau:  In Krisen, so sagt man, liegen ja oft auch Chancen. Gibt es positive Erfahrungen Lehren für die Gegenwart und Zukunft, die Sie aus den mit der Pandemie verbundenen Entwicklung ziehen? Für sich persönlich, für Ihre Gemeinde?

Die Folgen der Pandemie sind ja noch gar nicht absehbar, auch was das für die kirchliche Landschaft bedeutet. Viele Veränderungsprozesse, die eh anstünden, weil die Zahl der Kirchenmitglieder rückläufig ist und zukünftig weniger Pastorenstellen zu Verfügung stehen werden, werden sich möglicherweise beschleunigen. Wir sind urplötzlich aus dem Schlaf der Sicherheit aufgewacht in so vielen Bereichen des Lebens. Da kann man sich jetzt ein wenig die Augen reiben, sich ein bisschen ratlos umschauen, aber dann muss es auch losgehen, hoffentlich bewusster, dankbarer und nachhaltiger. Da könnte man jetzt noch vieles ergänzen.

Langenhorner Rundschau: Weihnachten ist ein wichtiger Höhepunkt im kirchlichen Jahreslauf. Dazu gehört für viele auch der Besuch in einem Gottesdienst. Wie sind die Pläne von Broder Hinrick für das diesjährige Weihnachtsfest?

Dieses Weihnachten kann nur ganz anders sein. So wie immer geht nicht, das lassen die AHA-Regeln schon nicht zu. Deswegen planen die Langenhorner Kirchengemeinden in Langenhorn gemeinsam auf dem größten freien Feld im Stadtteil, auf dem Langenhorner Markt, unter hoffentlich sternenklarem Himmel mehrere Open Air Gottesdienste am Heiligabend. Draußen ist einfach mehr möglich, wir können singen und uns sicherer fühlen mit Abstand an der frischen Luft, das ist unsere Hoffnung. Parallel werden am Nachmittag auch alle evangelischen Kirchen geöffnet sein für einen ruhigen Moment für sich selbst im Lichterglanz des Tannenbaums, zum Entzünden einer Kerze oder um die Krippenlandschaft zu betrachten. Ehrenamtliche Kirchenhüter*innen werden dann auch vor Ort und ansprechbar sein. Für alle, die nicht rausgehen können oder möchten, gibt es auf der Homepage von Broder Hinrick zum Weihnachtsfest auch wieder eine Audio-Andacht. Senior*innen ohne Internet können gern eine CD erhalten, ein Anruf im Kirchenbüro genügt.





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