Grellkamp - Kampf um Langenhorns Zukunft


Luftbild aus der Zeit, als die Schule für Flüchtlinge genutzt wurde. Rechts auf dem Sportplatz sind noch die Wohncontainer zu erkennen, die inzwischen verschwunden sind.

Erst war es nur ein Gerücht, dann kamen Anfragen: Stimmt es, dass der Bezirk die Grellkampschule abreissen und Wohnungen dahin bauen läßt? Bis zum Redaktionsschluß gab es keine offizielle Bestätigung - doch es scheint festzustehen:  
Es gibt einen Grundsatzbeschluss, das gesamte Objekt neu zu nutzen mit der Hauptzielrichtung Wohnungsbau. Dieser Beschluss soll nun - moderiert von einem darauf spezialiserten Unternehmen - durch eine Art „Bürgerbeteiligung“ legitimiert werden. Ende Mai (wahrscheinlich am 26.) soll zu diesem Zweck eine öffentliche Veranstaltung stattfinden - wohl in der Aula der ehemaligen Grellkampschule.

Wir haben ein besseres Konzept!

Der Bürger- und Heimatverein hat die Grellkampschule seit ihrem Bau bis heute begleitet. Er hat mit anderen versucht, die Schliessung zu vermeiden. Er hat sich unterstützend beteiligt, als später die Nutzung für Flüchtlinge geboten war.
Im Dezember des letzten Jahres, als diese spezielle Nutzung  ausgelaufen war, schrieben wir an dieser Stelle: Hamburg ist nicht vorbereitet auf das Wachstum der Schülerzahlen - die Schulschliessungen der letzten Jahre waren falsch. Denn  unstreitig ist: Hamburg wächst. Langenhorn wächst schneller.   Langenhorn hat auch mehr Kinder als andere Hamburger Stadtteile. Und ob tatsächlich die Reserven bei den vorhandenen Schulen reichen,  wenn die steigende Kinderzahl vor den Schultüren steht, ist mit Fug und Recht zu bezweifeln.

Der Hamburger Weg: Abreißen
Gleichwohl: Es ist offensichtlich entschieden, am Grellkamp keine Schule mehr haben zu wollen. Darauf müssen wir uns einstellen. Was indes überhaupt nicht heisst, dass sich Langenhorn mit der simplen Entscheidung abzufinden hat, auch hier den phantasielosen Hamburger Weg zu gehen: Abreissen, SAGA anrufen, Wohnungen bauen...

Das Alternativkonzept: Kulturzentrum Langenhorn-West
(von uns Westend genannt)
Der Bürger- und Heimatverein hat sich nach Bekanntwerden der Situation in einem Offenen Brief an die Bezirksverwaltung und an die Abgeordneten der Bezirksversammlung  gewandt. Darin stellt er sein Alternativkonzept für den Standort vor. Es basiert in allen Fakten auf den (z.T.fortgeschriebenen) Ergebnissen der „Sozialraumbeschreibung Langenhorn“, die der Bezirk Nord 2015 herausgegeben hat.


Hamburg wächst - Langenhorn wächst schneller. Alleine in den letzten fünf Jahren sind über 2.000 neue Wohneinheiten entstanden bzw. sind im Werden. In relativ wenigen Jahren wuchs die Bevölkerung um über 10%. Die soziale und kulturelle Infrastruktur wuchs indes nicht mit. Sie steht stellenweise auf einem Status von vor 20 Jahren. Speziell der Westen Langenhorns lag in diesen Jahren im Windschatten aller Entwicklungen. Im Westen - das ist Grellkamp.
Hätte es nicht 2015 und die Flüchtlingsentwicklung gegeben, dann wäre vermutlich die heute sich öffnende Chance gar nicht erst entstanden: Die Chance, den Westen Langenhorns mit dem Objekt „ehem. Grellkampschule“ zu einem kulturellen Hotspot für Hamburgs Norden zu entwickeln. Mit dem Ziel, dem gesamten Stadtteil ein neues, zukunftweisendes Image zu geben als ein Ort mit einem außergewöhnlichen, ambitionierten kulturellen Profil. Hinter diesem Ziel kann sich die Langenhorner Bevölkerung versammeln, ihm können sich in einem Akt der Aneignung und Integration Neubürger aus den hochkarätigen Neubaugebieten ebenso anschliessen wie die um den Flughafen herum seit Jahrzehnten sich ansiedelnden Menschen aller Nationalitäten.  

Mit dem Erarbeiten der infrastrukturellen Voraussetzungen für ein solches ambitioniertes Projekt könnten gleichzeitig Fehler und Versäumnisse der Vergangenheit ausgeräumt werden.
Die Chance ist einmalig - verschenkt sie nicht!


In die Gebäude der ehem. Grellkampschule sind kurz vor der Schliessung als Schule noch einmal viele Millionen Euro investiert worden; auch in der Zeit der Zwischennutzung wurde weiter investiert. Diese hochklassigen Gebäude und Räume kann niemand ernsthaft dem Abriß anheimgeben wollen - das versteht kein Bürger und kein Wähler. Ausserdem wäre es extrem kontraproduktiv! Denn was ganz Langenhorn in seiner kulturellen Infrastruktur am meisten fehlt sind Räume und Flächen! Besonders im Westen.

Was soll werden, was soll kommen, was soll bleiben?
A. Grundlegendes.
Die Sporthalle muss bleiben - der Bedarf ist groß!
Die Aula muss bleiben - eine solche Veranstaltungshalle mit so großartiger Akustik wartet darauf, bespielt zu werden: Mit Sprech- und Musiktheater, mit U- und E-Musikkonzerten. Langenhorn hat nichts Vergleichbares!
Die VHS muss wieder nach Langenhorn zurückgeholt werden! Mangelnde Räume waren es, die dazu führten, dass heute Langenhornerinnen sich Fahrkarten kaufen und nach Barmbek fahren müssen, um ihre (einst in Langenhorn begonnenen) Kurse zu besuchen. Wir brauchen die VHS wieder im Ort!    
KITA: Es muss Platz sein für eine Kita. Die wachsende Zahl an Kita-Kindern führt dazu, dass manche Eltern bis zu sechs Monaten brauchen, bis sie einen Kita-Platz in Langenhorn gefunden haben. Wie eingangs geschrieben: Die Infrastruktur muss der wachsenden Bevölkerung entsprechend nachgeführt werden.
Die Küche(n) mit der gesamten dahinter stehenden In-frastruktur einschl. Cafe/ehem. Mensa ist ein zentraler Bestandteil eines lebendigen Kulturzentrums! Die besondere Situation des Standortes, dass es dort inzwischen überhaupt keine Art von Nahversorgung mehr gibt, schreit nach einem Laden mit dem Sortiment eines Tankstellenshops. Entweder das Cafe besorgt dieses Geschäft - oder ein Geschäft im Neubau der GWG auf der Ecke Grellkamp/Ermlandweg betreibt das Cafe.  
Das weit über den Stadtteil hinaus bekannte und gerühmte Langenhorn-Archiv wird bis heute von einem Privatmann (Herrn Erwin Möller) in seiner privaten Wohnung von seiner privaten Rente betrieben und bezahlt - das muss ein Ende haben! Das Langenhorn-Archiv muss endlich einen zukunftssicheren Platz finden, welcher der Größe und Bedeutung dieser beachtlichen Sammlung gerecht wird.  Und Herrn Möller gebührt mehr als nur ein „Dankeschön“. Zusammen mit der Langenhorner Geschichtswerkstatt, die gerade gegründet wird, gehört das Archiv zu den Herzstücken des Kulturzentrums Westend.

B. Schwerpunkt Jugendliche
Wer sich mit Jugendarbeit in Langenhorn befasst weiss, dass es zwar Angebote für Kinder bis 12 Jahren gibt (HdJ etc.) - doch dann kommt nichts mehr! Dann kommt ein grosses Angebots-Loch, das schon seit vielen Jahren beklagt wird - jetzt ist die Chance, etwas zu tun!
Outdoor - Aktivitäten (z.B. Halfpipe, Basketball, Skaterground...) auf dem Sportgelände
Digital Spaces (WWW-Workground mit Sound- und Light-Equipment für Youtuber u.ä., Trainings- und Conventionrooms für E-Gaming), Übungsräume für Bands

C. Schwerpunkt Senioren
Senioren finden derzeit im Westen kein Angebot und müssen weite Wege auf sich nehmen.
In Anbindung an ein Kultur - Cafe sollte es Räume / Treffpunkte geben, um sich zusammenzusetzen, zu klönen, Schach oder Skat zu spielen etc.
Zahlreiche soziale Einrichtungen und Gruppen in Langenhorn bieten Kurse, sportliche  Aktivitäten und mehr an; derzeit sind sie auf enge Zeitfenster im Bürgerhaus an der Tangstedter Landstraße angewiesen. Hier könnten die Angebote zu den Kunden kommen, statt dass die Seniorinnen und Senioren sich per Bus dahin bewegen.

Die beiden letztgenannten Schwerpunkte sind für den „Westen“ von besonderer Bedeutung,  die grundlegenden Angebote für ganz Langenhorn.

Problem der Verkehrsanbindung
Wie schon beschrieben ist der Westen Langenhorns vernachlässigt worden. So wurde auch eine früher bestehende Buslinie eingestellt, die Straßen zum Standort wurden „verkehrsberuhigt“. Ein Programm zur Wiederbelebung und Vitalisierung des westlichen Langenhorns jedoch verlangt, dass das Kulturzentrum gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. Ein Bus muss her!

Mittelfristig (5-10 Jahre) kann diese Busverbindung wieder entfallen; statt dessen kann es einen Kultur-Shuttle geben: Ein autonom fahrendes (fahrerloses) Grossraumtaxi, das im Shuttlebetrieb den Grellkamp mit den beiden U-Bahn-Stationen Nord und Mitte verbindet. Steuerung und Abrechnung einschl. kulturelle Sondertarife etc. via App.

Wohnen und ruhender Verkehr
Das hier skizzierte Alternativkonzept, zu dessen Vertiefung hier in der Zeitschrift nicht der Platz ist, läßt hinreichend Raum für eine größere Zahl von Wohneinheiten im Geschossbau; die Belegung sollte dem bewährten Drittelmix entsprechen.
Zu diesem Bauvorhaben muss dann zwingend eine grosszügig dimensionierte (Tief-)Garage gehören, die neben den Bewohnern (und ggf. den Nachbarn) auch den Besuchern des Kulturzentrums zur Benutzung offensteht.   

Der Bürger- und Heimatverein schreibt abschliessend in seinem „Offenen Brief“:
Wer lange genug Stadtteilarbeit in Langenhorn macht der weiss, wieviele gute Ideen und Pläne daran gescheitert sind, dass es keinen Platz und keine Räume gab. Das ist bis heute so: In den vier Räumen (mehr sind das nicht) im Bürgerhaus an der Tangstedter Landstraße finden jährlich über 1.000 Veranstaltungen statt - alles ohne Zuschüsse und personellen Überbau, organisiert und betreut durch einen einzigen Mann, den tüchtigen Hausmeister. Plus natürlich den vielen freiwilligen und ehrenamtlichen Kräften aus den Vereinen, Organisationen etc., die zu dem Programmangebot beitragen. In einer solchen Situation des Mangels, der seit Jahren besteht, kann niemand ernsthaft daran denken, Räume dem Abriß anheim zu geben, die bereits durch Steuergelder bezahlt wurden, die fertig und betriebsbereit sind.
Auch gute Konzepte gibt es. Und es gibt eine Vielzahl von Menschen in Langenhorn, die bereit und in der Lage sind, anzupacken und loszulegen. Eine grosse Zahl an Kulturschaffenden, die sich in den letzten Jahrzehnten absichtsvoll in Langenhorn angesiedelt haben, sind ebenfalls bereit, sich an einem ambitionierten kulturellen Projekt zu beteiligen - wenn, ja wenn die Stadt und der Bezirk den Mut haben, den einfachen eingefahrenen Weg einmal zu verlassen und dem Stadtteil eine Pause zur Anpassung seiner sozialen und kulturellen Infrastruktur an mehr Einwohner einzuräumen. Damit Langenhorn das bleiben kann, was es gerade noch ist. Und damit es auch dereinst im Jahr 2050 als ein grün umrahmter kultureller Leuchtturm geliebt und geschätzt wird.



Would you like to try out ipage hosting, they provide reliable green hosting service.

Die Rundschau

Joomla Templates designed by Joomla Hosting