Langenhorn verändert sich

Hamburg wächst - auch ohne Olympia. Die Zahl der hier lebenden Menschen steigt. Die Zahl der Wohnungen steigt. Die Zahl der Arbeitsplätze steigt, der Verkehr nimmt zu, der private ebenso wie der öffentliche. Das alles verändert die Stadt. Und es verändert Langenhorn.

Nun ist Veränderung normal: Dass nichts so bleibt es wie es ist und alles sich stetig wandelt ist eine Volksweisheit. Jeder weiss das - und doch sträubt sich etwas in uns, wenn sich die Welt um uns herum, unser Wohn- und Lebensraum, so schnell verändert. Wenn Wohnungen enger beieinander stehen und Häuser höher gebaut werden. Wenn Straßen mehr und anderen Verkehr aufnehmen müssen. Wenn in Grünflächen und Gehölzen plötzlich die Bagger arbeiten.

Auch diesen Wunsch, dass alles so bleiben soll, wie es ist, weil wir es gut und richtig finden, kennt jeder von uns. Manchmal, besonders wenn die Veränderung uns direkt betrifft, wird der Wunsch so stark, dass man sich mit anderen zusammentut, eine „Initiative“ gründet und gegen die Veränderung angeht. „Nicht hier - und nicht so!“

Oft sind solche Initiativen rein egoistisch motiviert. Wohncontainer? Wenn es schon sein muss - aber bitte nicht in meinem Wohnviertel! Ein Hochhaus? Aber doch nicht vor meiner Haustür! Parkplätze müssen weichen - aber doch nicht da, wo mein Geschäft ist! Solchen „Initiativen“ muss niemand nachlaufen. Sie diskreditieren sich selbst - auch wenn sie ihre Anliegen neuerdings von Anwälten geschickter formulieren und vortragen lassen, um den bösen Anschein zu vermeiden.

Daneben gibt es Fälle, wo man sich mehr öffentliche Aufmerksamkeit, mehr Einmischung und mehr Gegenwind wünscht. Das sind Veränderungen im Stadtteil, die - jede für sich genommen - oft am Rande der Aufmerksamkeitsschwelle liegen. Die aber insgesamt gesehen den „Identitätskern“ eines Stadtteils nachhaltig beeinflussen. Oft nicht zum Guten.

Wer von Norden die Langenhorner Chaussee befährt, passiert den Wichert-Neubau: Ein markantes Gebäude, das zeigt: Hier ist das platte Land zu Ende, hier beginnt die Großstadt. Architektur setzt hier gute Signale!

Wenige hundert Meter weiter zur Linken steht jetzt eine Brandruine: Das war bis vor wenigen Wochen ein denkmalgeschützes Bauwerk, eine alte Tankstelle aus den frühen 50er Jahren. Mit ein wenig Ideenreichtum hätte man daraus viel machen können - jetzt war der Feuerteufel da. Da der Baugrund Privateigentum ist, verbietet es sich, zu spekulieren.

Wieder einige hundert Meter weiter lag rechter Hand liegt (noch) der Tannhof, das Hotel Tomfort. Ein über mehr als hundert Jahre gewuchertes, sicher nicht schönes, aber eindrucksvolles Gebäude. Wie viele Erinnerungen von wie vielen Langenhornerinnen und Langenhornern sind mit dem Haus verbunden... Jetzt muss es einem Supermarkt weichen. Es hat sich nicht mehr gerechnet.

Zwei Kilometer weiter sieht man links den Turm der ehemaligen Kaffeerösterei: Ein Stück Langenhorner Geschichte, das dank der Privatinitiative der Familie am Leben bleiben durfte! Kommt man dann an die Kreuzung „Krohnstieg“, sieht man rechts (noch) ein altes Fachwerkhaus: Die frühere Poststelle, erbaut 1890. Das Haus wird demnächst abgerissen und einem Wohnhaus weichen müssen.

An der Ecke zur Tangstedter Landstraße blickt man in eine Baugrube - hier stand bis vor wenigen Wochen das Gebäude, in dem die Gaststätte „Harmonie“ ihre Heimat hatte, später das Apollo-Kino. Es hat sich nicht mehr gerechnet. Hinter der Baugrube kann man jetzt auf das große Reetdachhaus Nr. 160 sehen, das sonst hinter dem vorderen Bau verborgen war. Es ist eines der letzten verbliebenen, gut erhaltenen Reetdachhäuser im alten Langenhorn. Jetzt steht es zum Verkauf. Es ist zwar unter Denkmalschutz gestellt - doch wer an die Tankstelle denkt, ahnt, wie wenig das manchmal bedeutet. Ein solches „Juwel“ - mitten im „Alten Dorf“, nahe am Dorfteich, nahe am Bürgerhaus, nahe am Markt - sollte man nicht alles unternehmen, das Bauwerk für den Stadtteil zu erhalten, zu schützen, zu nutzen? So wie bis hierher beschrieben kann man weiter durch Langenhorn gehen oder fahren.

Immer wieder kommt man an ähnlich markanten Orten vorbei, sieht die Veränderung und fragt sich: Musste das jetzt sein? Jeder Stadtteil hat seine prägenden Orte. Auch wenn sie sich nicht immer bräsig und markant in den Vordergrund drängen, wie das Einkaufszentren oder Supermärkte gerne tun. Nimmt man dem Stadtteil aber diese Orte der Erinnerung, der Selbstvergewisserung, so verletzt man ihn an seiner Seele. Langenhorn ist, das bestätigt sich bis heute immer noch und immer wieder, ein Stadtteil mit ganz eigener Prägung, mit einem ganz eigenen Charakter. Und in seiner Art mit keinem anderen Hamburger Stadtteil vergleichbar. Sichtbar, spürbar, nachvollziehbar auch für unsere Kinder und Enkel wie für Fremde wird das an solchen Gebäuden und Orten wie oben beschrieben. Nichts, was die Welt bewegt. Aber das, was Langenhorn zu Langenhorn macht.

Man möchte sich wünschen, dass dies auch von den gewählten Mitgliedern der Bezirksversammlung und der Bürgerschaft verstanden wird, die wirklich Langenhorner sind. Dass sie mehr unternehmen, mehr Druck aufbauen, solche Orte am Leben zu erhalten.

Oder sollte man eine „Initiative“ ins Leben rufen?

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Die Rundschau



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