Straßenkampf in Langenhorn ?

Die Straßen in Nord-Langenhorn, die nach Max Nonne und Georg Ernst Konjetzny benannt wurden, sind in den Focus der Parteien und der Weltbeglücker geraten.
Zu Recht: Der Neurologe Max Nonne war u.a. auch Befürworter der Euthanasie und Verfasser einer Gedenkschrift aus dem Jahre 1942, in der er ausführte, dass die Tötung behinderter Kinder „ein erlaubter, nützlicher Akt“ sei. Konjetzny, der von 1935 bis 1950 Direktor der Chirurgischen Klinik des UKE war, war nicht nur Mitglied der NSDAP, der SA und zahlreicher anderer NS-Organisationen, sondern auch von 1933 bis 1938 förderndes Mitglied der SS.

Da wurde ein Antrag in der Bezirksversammlung gestellt, die Straßen umzubenennen. Diesem Antrag gab die Kulturbehörde statt mit dem Hinweis: „Auf Grund des in Hamburg sehr unausgewogenen Verhältnisses der Straßenbenennung nach Frauen bzw. Männern empfiehlt die Kulturbehörde, möglichst Frauen als Namensgeberinnen vorzuschlagen.“ Nun war Feuer frei; die Wünsche waren vielseitig. Einige wollten Personen ehren, die sich durch ihre antifaschistische Grundhaltung ausgezeichnet haben. Andere wollten Personen, die ihren Einsatz für die Menschenrechte und ihr Bekenntnis zur Menschenwürde hervorhob. Weitere wollten eine Person mit einem regionalen Bezug haben.
Es wurden u.a. vorgeschlagen: Loki Schmidt, Hans Schwenkel (langjähriger Leiter der Schiffszimmerer-Genossenschaft und Namensgeber der dortigen Wohnanlage), Weisse- Rose-Weg, Prof. Thea Louise Schönfelder, Am Bornbach, Magdalene Schoch, Herta Haas (Frau von Marschall Tito) und viele weitere Namen auch von Widerstandskämpfern und –kämpferinnen.

Es gab eine Sitzung eines Vorschlagsgremiums mit den Vertretern von SPD, CDU, Grüne und Linke die beschlossen:
1. Noch vor der Sommerpause soll eine öffentliche Sondersitzung des Regionalausschusses Fuhlsbüttel-Langenhorn-Alsterdorf stattfinden, in der die Gründe für die Umbenennung der Max- Nonne-Straße und der Konjetznystraße sowie die eingegangenen Alternativvorschläge vorgestellt werden.
2. Als Expertin soll zu dieser Sitzung Dr. Rita Bake, die stellvertretende Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung und Autorin des Buches „Ein Gedächtnis der Stadt. Nach Frauen und Männern benannte Straßen, Plätze, Brücken in Hamburg“ eingeladen werden.
3. Die zu findenden alternativen Straßennamen sollen möglichst folgenden Kriterien entsprechen:
- Die Straßen sollen nach Personen benannt werden - Vorrangig sollen Frauen durch die Benennungen gewürdigt werden
- Mit den neuen Straßennamen soll die antifaschistische Grundhaltung, das Bekenntnis zu den Menschenrechten sowie der Einsatz für die Menschenwürde der jeweiligen namensgebenden Person honoriert werden
- Die jeweiligen Personen, nach der die Straßen benannt werden sollen, sollen einen regionalen Bezug aufweisen.
4. Eine Beschlussfassung über die Namensgebung folgt in einer der auf die Sondersitzung folgenden Sitzungen des Regionalausschusses Fuhlsbüttel-Langenhorn-Alsterdorf.

Es wird also vor Ort eine Sondersitzung stattfinden, um dann mit den Anwohnerinnen und Anwohnern in eine Diskussion treten zu können. Außerdem sollen auch alle Personen eingeladen werden, die Vorschläge unterbreitet haben. Interessant ist, dass die Einreicher nicht genannt wurden sondern vom Bezirksamt geschwärzt wurden, um eine Entscheidung zu versachlichen.

Ich glaube nicht, dass das Ergebnis der Diskussion offen ist, sondern man sich hinter den Kulissen in der Koalition längst einig ist. Aber solche Sondersitzung dient dazu, Bürgerbeteiligung zu zeigen und um ein Alibi für die Namensgebung zu haben = den Bürger mitzunehmen. Oder soll in einem würdevollen Rahmen mit einem geneigten Publikum tatsächlich eine Ehrung nach dem Willen der Anwohner erfolgen? Dass eine Expertin für die Straßennamen eingeladen wurde ist unüblich. Die Beschlussfassung über die Namensgebung folgt später öffentlich im Regionalausschuss.

Durch die Einengung auf Frauen mit antifaschistischer Grundhaltung für beide Straßen entfällt schon mal der Vorschlag der Schiffszimmerer- Genossenschaft, die dort die Häuser gebaut hat und günstig an die Genossen vermietet. Es kann sein, dass -wenn Sie diese Zeilen lesen- die Sondersitzung (also der Straßenkampf) schon gelaufen ist.

Ihr Grünschnabel


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